VEMUK-Kontakt:
Gedanken zur Mundart
Liebe Leser,
der "Web-Mächer" lebt in einem lesefreudigen Haus, und so kommen immer wieder interessante neue, ältere und uralte Bücher auf den Tisch, die sich mit Themen rund um Mundart beschäftigen. Wenn in unregelmäßigen Abständen Zitate gebracht werden, dann werden diese nie die Meinung aller Mundartfreunde treffen können. Vielleicht geben sie aber doch dem einen oder anderen Leser neue Gedanken, ohne ihn bevormunden zu wollen. Dass der "Web-Mächer" selbst nicht Mundart sprechen kann, macht seine Zitatenauswahl vielleicht etwas neutraler. Er wünscht viel Freude beim Lesen und hin und wieder auch mal eine Rückkopplung.
Gefunden in: Edi Wahlster "E Tut voll Gutzjer", Gedichte in Saarbrigger Mundart, Minerva-Verlag, Saarbrücken, 1948
"Nachwort
Die Wandlung der Mundart im Laufe der Jahrzehnte machte es notwendig, nach eingehenden Studien, eine neue Phonographie zu versuchen. Außerdem erlaube ich mir, Ausdrücke die die "Alten" wohl noch verstehen, die den "Jungen" aber gänzlich unbekannt sind, mit Rücksicht auf einen größeren Leserkreis nicht zu benützen. Es muß auch zugegeben werden, daß einige Worte auf Kosten eines klaren Endreimes in ihrer eigentlichen Schreibweise abgeändert wurden.
Das Ziel dieser Veröffentlichung - für die ich dem Verlag zu danken habe - ist der Versuch einer Wiedererweckung der Mundart-Dichtung, die, wie mir scheint, in den letzten Jahren allzusehr vernachlässigt wurde. E.W."
Gefunden in: Heinz-Eugen Schramm, "Schwäbische Musenküsse"1972, erschienen bei Verlag Weidlich, Frankfurt, ISBN 3-8035-0559-3
"Mundart und Dichtung
Mundartdichtung ist von Haus aus gegenständlich, wirklichkeitsbezogen. Sie befasst sich vorwiegend mit dem Verhältnis des Menschen zu seiner unmittelbaren Umwelt. Natur und Landschaft im Jahresablauf sind ebenso Gegenstand mundartlicher Dichtung wie alltägliche Begebenheiten und elementare Empfindungen. Rein Gedankliches, theoretisch Abstraktes dagegen lässt sich ohne Anleihen an die Schriftsprache in der Mundart kaum ausdrücken. Das gilt allgemein, nicht nur für den schwäbischen Sprachraum. Diese vom Sprachlichen her bedingte Wirklichkeits- und Lebensnähe zwingt den Mundartdichter im allgemeinen auch inhaltlich zu starker Zeitgebundenheit. So bewirken nicht zuletzt die sich in unserem Jahrhundert überstürzenden Umwälzungen in allen Lebensbereichen, dass so mancher gut gewählte Vergleich, so manches Bild schon nach weniger Jahrzehnten nicht mehr allgemein, das heißt nicht mehr von allen Generationen verstanden wird, weil die geschilderten Umstände überholt und bestimmte Gegenstände nicht mehr gebräuchlich sind. Die Mundartdichtung wird damit - abgesehen von ihrem literarischen Wert, der im einzelnen natürlich recht verschieden sein kann - zu einer ergiebigen Quelle für den Kulturhistoriker, den Volkskundler, den Sprachwissenschaftler, den Soziologen....
Die Schreibweise
Mundartdichtung sollte laut gelesen werden. Man sollte sie durchs Ohr aufnehmen. Ein Haken ist dabei die Schreibweise, die sich - nicht nur im Schwäbischen - bisher jeder bindenden Übereinkunft entzogen hat. Hier gibt es keine Patentlösung. Da für eine lautgetreue Wiedergabe das allgemeine Alphabet ohnehin nicht ausreicht und die in den Sprachwissenschaften übliche besonderen phonetischen Schriftzeichen dem Durchschnittsleser nicht zuzumuten sind, haben sich die meisten schwäbischen Mundartautoren mehr oder weniger an die hochdeutsche Schreibweise angelehnt. Im Hinblick auf die vorliegende Sammlung ist hierbei jedoch zu bedenken, dass eben diese neuhochdeutsche Orthographie in den letzten zweihundert Jahren stark vereinfachende Veränderungen erfahren hat. Bei aller gebotenen Ehrfurcht vor der gedruckten Überlieferung glaubt der Herausgeber daher, eine gemäßigte Vereinheitlichung der Schreibweise verantworten zu können. Im übrigen geht er davon aus, dass der schwäbische Leser imstande ist, diese "vereinfachte" Schreibweise lautgetreu umzusetzen. Der Nichtschwabe aber wird in die Lage versetzt, wenigstens hinter den Sinn dieser landsmannschaftlich gebundenen Poesie zu kommen...."